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Komödie von Aritophanes (425 v. Chr.)
Übersetzung und Bearbeitung: Pesche Brechbühler
Wir befinden uns in Griechenland... nein, nicht im Jahr 2002 und mit keiner
Reisegruppe an einem Touristenstrand. Schliessen wir für einen Moment die Augen und
unternehmen wir eine Reise in die Vergangenheit!
Wir tauchen ein ins Jahr 425 v. Chr. und spazieren an den alten Häuserzeilen vorbei durch
Athens Strassen. Es ist Nachmittag; Griechenland steht seit sechs Jahren im Krieg mit Sparta.
432 v. Chr. nämlich brach Sparta das Bündnis mit den Athenern, von denen man sich bedroht fühlte,
zumal diese danach trachteten, ihr Kriegspotenzial und damit ihren Machtbereich auszuweiten.
Ein Jahr später fällt der spartanische König Archidamos in Attika ein.
Die Strassen sind fast leer gefegt. Viele attische Männer befinden sich im Krieg, zudem wütet
eine vor fünf Jahren aus dem Orient eingeschleppte Epidemie; Frauen und Kinder weinen um die
Verstorbenen. Man hat Angst, Athen hat viele Schäden erlitten. Aber das Leben geht weiter. Wir
stossen auf ein schlichtes, aber elegantes Haus. Darin erkennen wir einen Mann, der gebückt über
seinem Pergamentstapel brütet. Das Hausschild verrät uns seinen Namen: Aristophanes. Der Alte ist
damit beschäftigt, sein neues Werk zu vollenden: schon wieder eine politische Komödie! Ist er
sich bewusst, dass seine zahlreichen Komödien dereinst beredtes Zeugnis ablegen werden vom
blühenden, geistigen Leben in Athen? Aristophanes ist nicht der einzige, der dem Kriegswahnsinn
trotzt und seine Arbeit weiterführt. Auch die Meissel und Sägen der Bauarbeiter und Bildhauer
ruhen nicht ganz und verewigen so die Kunst und Kultur ihrer Zeit, wie auch die Schatzmeister
nicht vergessen, trotz ihrer hohen Aufwendungen für den Krieg die Abrechnungen für Bürger,
Metoiken und Sklaven aufzuzeichnen. Die Wissenschaft der Medizin macht Fortschritte. Eine neue
Betrachtungsweise der Welt ist auf ihrem Siegeszug und setzt den Menschen in den Mittelpunkt:
die Sophistik!
Unser Spaziergang führt uns zu einem Platz und einer kleinen Menschengruppe, die zwei Statuetten
betrachtet. Es sind zwei noch nie gesehene, aus Libyen und Thrakien importierte Götterbilder. Auf
ihnen ruhen ihre Hoffnungen. Werden diese Götter ihnen wohl beistehen in der schrecklichen
kriegerischen Zeit? Kann der Mysterienkult dieser fremden Gottheiten die Not im Krieg
gegen die Spartaner lindern? Einige Jahre später scheinen ihnen die neuen Götter für
kurze Zeit tatsächlich gnädig zu sein: 421 kann aufgeatmet werden. Sparta und Athen gehen
einen Friedens-pakt ein, bei dem der Besitzstand vor dem Krieg wieder respektiert wird.
Doch die Waffenruhe wird nur 8 Jahre dauern, denn 414 fühlt sich Sparta von seinem alten
Feind hintergangen und erachtet den Frieden als gebrochen. Die Spartaner werden alles
geben, um den Krieg diesmal als Sieger zu beenden. Sie lassen ihre Kinder sogar fern
ihres Elternhauses als Körper gestählte Soldaten ausbilden. Dank des mit Persien
geschlossenen Pakts zählt Sparta auf eine gut ausgerüstete Flotte, die die starke
Seemacht Athens endgültig niederschlagen sollte. Die Spartaner werden ihr Ziel
tatsächlich erreichen und Athen 404 zur Kapitulation zwingen.
Kehren wir zurück in die Gegenwart, verabschieden wir uns von den Leuten auf dem
Platz und lassen wir die toten Helden auf den Schlachtfeldern zurück. Lassen wir
Aristophanes sein Stück in Ruhe beenden und begeben uns zurück in die Schweiz; wir
schreiben das Jahr 2002. Steht dort nicht schon wieder der Alte mit dem Pergamentstapel?
Mit einem verschmitzten Augenzwinkern empfängt er uns und reicht uns aus seinen
schmalen, knochigen Händen die lose zusammengefügten Pergamente. Auf dem obersten
Blatt steht mit grossen griechischen Lettern geschrieben:
LYSISTRATE. VON ARISTOPHANES, 2002 N. CHR.
Annik Freuler
Lysistrate - ein Vorbild
Im "Bund", Ausgabe-Nr. 188, 15.08.2001
SEXBOYKOTT
ap. Mit einem Sexboykott wollen Frauen im südtürkischen Dorf Sirt ihre
Männer zur Reparatur der Trinkwasserleitungen zwingen. Laut gestrigen Medienberichten
verbannten die Frauen ihre Männer schon vor rund einem Monat aus den Schlafzimmern. Sie
waren es überdrüssig geworden, für sauberes Wasser kilometerweit laufen zu müssen,
berichtete die Zeitung "Hürriyet". Die meisten Einwohnerinnen des nahe Antalya gelegenen
Dorfes beteiligten sich am Boykott, hiess es. Damit haben sie erreicht, dass sich die
Männer um die Reparatur des Wassersystems bemühen. "Unsere Frauen haben ja Recht, dass
sie protestieren", sagte der Dorfvorsteher laut einem "Milliyet"-Bericht. "Aber wir sind
diejenigen, die leiden."
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