Werkstattaufführung 2009: Die Gossauer Bühne ist telegen(-ial)



Wer aufgrund des Titels die Gossauer Bühne ist telegen(ial) glaubte, die Gossauer Bühne hätte sich in einem Anfall von Anmassung vorgenommen, zu Gunsten einer Profilierung am Bildschirm der geliebten Bühne zu entsagen, liegt falsch. Den Brettern, welche bekanntlich die Welt bedeuten sollen, werden die Gossauer Theaterleute weiterhin treu bleiben. Bloss, für diese Saison hat sich die Bühne ein kreatives "timeout" gegönnt, und verzichtet dieses Jahr auf ihre traditionell Ende Januar stattfindende Theaterproduktion. Die Gruppe hatte sich vorgenommen, sich im Laufe des letzten Jahres dem Training der Improvisation zuzuwenden, das heisst jene Fähigkeiten zu erlernen, die es dem Spieler erlauben, bei einem der berüchtigten und gefürchteten "blackouts", das heisst bei textlichen Gedächtnislücken beim Spiel, diese durch spontane Improvisation so zu überbrücken, dass der Zuschauer davon nichts mitbekommt. Das Spielerische der Improvisation kommt auch der Inszenierungsarbeit beim Theaterstück zu Gute, nämlich dann, wenn eine bestimmte Szene erst einmal intuitiv improvisiert wird, um so die Fähigkeiten der Spieler spontan einfliessen zu lassen. Darauf baut der Regisseur anschliessend seine Szenen zu einem Ganzen auf, wo schliesslich Spontanes und Durchdachtes möglichst frisch ineinander fliessen soll. Die Vorbereitungsarbeitung für die Produktion von 2010 sind bereits im Gang.

Um auch dieses Jahr präsent zu sein und nicht zuletzt, um auch den so dringend benötigten Nachwuchs zu motivieren - junge Schauspielertalente werden bei uns mit offenen Armen empfangen - hat die Gossauer Bühne sich dazu entschlossen, die Freunde der Bühne an ihren Improvisationserfahrungen teilhaben zu lassen und ihnen anstelle der traditionell durchgeführten Inszenierung eine kostenlose Werkstattaufführung anzubieten. Diese findet am Samstagabend des 7. Februar 2009 um 20:00 im Singsaal des Schulhauses Wolfrichti in Grüt statt. Unter dem Titel die Gossauer Bühne ist telegen(ial) wird versucht, improvisierend - ohne Netz und doppelten Boden - einige bekannte Programmgefässe helvetischer Fernsehkultur zu parodieren. Machen Sie sich gefasst, auf junge und weniger junge Kandidaten und Kandidatinnen, die ein neues Liebesglück suchen. Auch urchige Bauern werden um die Gunst arbeitswilliger Bäuerinnen in Spe buhlen. Natürlich wird weniger Handfestes ebenfalls angesprochen, wenn sich Menschen im Überlebenskampf der Finanz- und Ehekrise an den Chefesoteriker Mike Shiva wenden, um ihre ungemütliche Lebenslage durch dessen Weisheit von oben wieder ins Lot zu bringen. Wer würde sich da wundern, wenn sich bei diesem Fernsehspektakel ohne Fernsehgerät nicht auch viel Prominenz aus Politik und Kultur einfände, um so im jüngst in neuem politischen Glanz erstrahlenden Zürcher Oberland Präsenz zu markieren ? Aus gut unterrichteter Seite hat die Gossauer Bühne in Erfahrung gebracht, dass sich bereits einige ehemalige und künftig ehemalige Mitglieder des Bundesrats angemeldet haben sollen, weshalb auch ausländische Journalisten und Intellektuelle ins Geschehen eingreifen werden. Seien sie also dabei, wenn im Singsaal der Wolfrichti, Geschichte(n) geschrieben wird.

Text: Gaudenz Freuler