Gründung

Wir stellen uns vor:

Die "Gossauer Bühne" ist eine politisch und konfessionell neutrale Theatergruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, regelmässig in unserem Dorf Stücke zu inszenieren. Dies, wie wir hoffen, zur Freude der Gossauer, aber auch für uns, als sinnvolle Freizeitgestaltung und zur Pflege der Geselligkeit. Der Verein wurde im Februar 1981 gegründet und zählt ungefähr zwanzig Mitglieder. Hätten Sie nicht auch Lust mitzumachen? Sie sind immer herzlich willkommen!

(Text aus dem Programmheft 1982)

Alle Jahre wieder...

Je näher die Premiere rückt, umso intensiver wird der Probenaufwand, umso mehr schliesst sich das Ensemble (und dazu gehört die Souffleuse ebenso wie die Technik und die Regie) zusammen: Wir gegen den Rest der Welt! Und unsere Welt wird die Gossauer Bühne, (fast) alles dreht sich jetzt um unseren kleinen Kosmos, das Stück. Geredet wird eigentlich nur noch in Stückzitaten, auch mit Nichtmitgliedern, was diese je länger je mehr nervt. Beim Bügeln, Kochen, Autowaschen, bei fast jeder Tätigkeit erkennt man die Mitglieder des Ensembles daran, dass sie entweder nicht ansprechbar sind (weil Walkmanknopf zwecks Textlernens im Ohr), oder scheinbar sinnloses Zeug vor sich hinbrabbelnd (Text-arbeit im fortgeschrittenen Stadium): Null Problem!
Daheim steigt der Verbrauch an Fertigmenus, die LebenspartnerInnen hocken alleine zu Hause (ausser sie gehören zum Ensemble, was eigentlich allen nur zu raten ist). Kinder dürfen jetzt einfach nicht krank werden, das Ensemble sowieso nicht, kranke Hunde, Katzen und Vögel werden einfach mitgenommen. Null Problem!
Über Weihnachten und Neujahr könnten eigentlich alle noch einmal ruhig durchatmen, da herrscht sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Nur leiden leider die meisten "Null-Problemler" an Entzugserscheinungen. Nach drei probenfreien Abenden tigert ein Ensemblemitglied sinnlos durch die Wohnung, nach fünf Abenden laufen die Telefone heiss ("lass uns doch nochmal den dritten Akt durchgehen!"), nach sechs Abenden trifft man sich - rein zufällig - in der Stammbeiz. "Ach; bist du auch da?".
Die Tage vor der Premiere sind hektisch, nervös, teilweise von einer hysterischen Fröhlichkeit, man wünscht die Regie zum Teufel, man zittert, man schläft nicht mehr. Und nervt alle anderen, die nichts mit der Aufführung zu tun haben. Null Problem!
Und nach der Première fragt man sich (hoffentlich), warum man sich eigentlich so aufgeregt hat. Es gab doch keine Probleme! Das ist eben das Schöne am Theater. Eine Mutter erinnert sich, wenn das Baby einmal da ist, auch nicht mehr an die Schmerzen der Geburt. Null Problem!

(Text aus dem Programmheft 1993 - von Dagmar Loubier)