Januar 01, Zürcher Oberländer
Gossauer Bühne im Zwielicht
Der Gossauer Theaterverein Gossauer Bühne feiert heute Abend Premiere mit dem Psychothriller "Zwielicht".
Schauplatz des Grauens ist die Bühne in der Altrüti.
Irgendwo in New York, Manhatten, 15. Strasse - die erste Szene spielt sich im Wohnzimmer bei den Murrys ab. Ein blaues Ledersofa, eine Bar, teure Teppiche und ein echter Picasso an der Wand - John und Celly Murry haben Geld, das sieht man. Das heisst eigentlich gehören die Besitztümer Celly, die viel Geld von ihrem Vater geerbt hatte.
Irgendwann zu sehr später Stunde sitzt Celly auf dem Sofa und raucht. Sie kann nicht schlafen, wie schon viele Nächte zuvor. Der beunruhigte Ehemann John sorgt sich um Celly. Als er das Wohnzimmer verlässt, steht seine Frau am Fenster und sieht etwas Grauenhaftes - sie schreit und schreit...
So fängt die Geschichte an. Ein turbuleter Krimi, in dem Menschen mit unterschiedlichsten Charakteren auftauchen. Da wären zum Beispiel Besucherin Blanche, die angeblich beste Freundin von Celly, oder der charmante Nachbar Curtis Appleby, oder welche Rolle spielt das deutsche Dienstmädchen Helga, die ihre Nase in alles steckt, und warum glaubt Kommissar Forster Cellys
Version nicht? Je länger das Stück dauert, tauchen zwangsläufig umso mehr Fragen auf.
Der Psychotrhriller lässt lange Zeit einige Interpretationen zu. Kaum glaubt man den roten Faden entdeckt zu haben, gleitet der wieder aus der Hand. Man kann nicht anders, als sich in den Strudel der Ereignisse ziehen zu lassen. Es gelingt bis zum Schluss nicht, die Szenen zu entschlüsseln, und wie es in Krimis halt so ist - am Ende ist alles ganz anders, als man dachte.
In Mundart umgeschrieben
Der Theaterverein Gossauer Bühne hat sich im Jubiläumsjahr - 20 Jahre gibt es ihn schon - für den Psychothriller "Zwielicht" entschieden. Regisseur Fredi Muggli hat das Stück von Lucille Fletcher bearbeitet und eine deutsche Fassung des Stücks in Mundart umgeschrieben. Dabei musste er auf verschiedene Dialekte des Ensembles Rücksicht nehmen. Neun Personen stehen dieses Jahr
auf der Bühne; das heisst, das Stück wurde für neun Rollen geschrieben.
Die beiden Hauptrollen, die Eheleute Celly und John Murry werden von Sonja Prem und René Reiser dargestellt. Hanspeter Messmer und Beatrice Vacher spielen Kriminalbeamter und Polizistin. Gody Wyss übernimmt den charmanten Nachbarn Curtis Appelby, und Colette Kälin-Périllard spielt die undurchsichtige Freundin Blanche, die gerade bei den Murrys auf Besuch weilt.
Claudia Götz als frischgebackene Präsidentin des Theatervereins übernimmt dieses Jahr eine Nebenrolle - sie spielt eine Psychiaterin. Mit Helga Lütschg als deutsches Dienstmädchen Helge und Gaudenz Freuler, der den Inhaber einer Wurstbude spielt, ist das Gossauer Ensemble komplett.
Vorverkauf gut angelaufen
Heute Freitag startet der Theaterverein mit der Premierenaufführung. "Der Vorverkauf ist sehr gut angelaufen", sagt Claudia Götz, "trotzdem hat es noch für alle Vorstellungen Billette an der Abendkasse." Die Generalprobe, bei der zum ersten Mal die Technik vollständig eingerichtet war, verlief zur allgemeinen Zufriedenheit.
"Natürlich können wir noch etwas verbessern", so Regisseur Fredi Muggli, "aber das kann man fast immer". Mit 40 Proben und zwei Weekends haben sich die Darstellerinnen und Darsteller auf die kommenden Aufführungen vorbereitet. Eine von Fredi Mugglis Faustregeln lautet: "Pro gespielte Minute auf der Bühne brauchen wir zirka eine Stunde Probezeit".