Januar 04, Theaterzeitung
Drei Männer im Schnee
Nachdem die Gossauer Bühne in der jüngsten Vergangenheit eher besinnlichere Stücke zur Aufführung
brachte, inszeniert sie dieses Jahr wieder eine unbeschwerte Komödie. Mit Drei Männer im Schnee von
Charles Lewinsky nach Erich Kästners Roman gelangt eine geistreiche Verwechslungskömodie zur
Aufführung, wo Schein und Sein und verwirrende Rollenspiele im Zentrum stehen. Die in Kästners
Roman köstlich ausgespielte Thematik von Substanz und Scheinsubstanz wird den Zuschauer auch in
Lewinskys Bühnenadaption zum Schmunzeln anregen, zumal sie heute weder in Kultur noch in anderen
gesellschaftlichen Bereichen an Brisanz verloren hat. Kleider machen noch immer Leute; und
nicht selten können oder wollen wir die Dinge nicht erkennen wie sie tatsächlich sind. Wer würde
schon einem in Lumpen Gekleideten Kredit gewähren und wie leicht würde man andererseits einer Dame
in edler Garderobe oder dem Herrn in dunklem Anzug mit Krawatte auf den Leim kriechen?
In diesem Schauspiel, in dem heitere Unterhaltung und Sozialkritik gepaart sind, versteht es
Fredy Muggli als Regisseur die verschiedenen Akteure in ihrem Charakter differenziert
nachzuzeichnen.
Geheimrat Tobler hat sich aus Jux an einem Preisausschreiben seines eigenen Konzerns beteiligt
und als zweiten Preis einen Wintersportaufenthalt in St. Moritz gewonnen. Der millionenschwere
Tobler reist inkognito unter dem Namen Meier, weil er einmal erleben möchte, wie es einem armen
Schlucker als Preisträger in einem Nobelhotel ergeht. Obschon von Toblers Tochter rechtzeitig
gewarnt, empfängt die Hoteldirektion infolge eines Irrtums den Falschen als Millionär: den
tatsächlich mittellosen Gewinner des ersten Preises. Da wimmelt es plötzlich von falschen
Identitäten und Namen, und die Mißverständnisse überstürzen sich geradezu. Aus dem treuergebenen
Diener Johann wird ein steinreicher Spinnereibesitzer, dem Dinge zugemutet werden, die die Grenzen
des Möglichen und Zumutbaren beinahe übersteigen; der wirklich arme Werbefachmann, Dr. Hagedorn
gelangt zu "Ruhm und Ehre" und versteht die Welt überhaupt nicht mehr; die Hausdame des
verspielten Millionärs wird vollends aus ihrem an sich schon labilen Gleichgewicht geworfen und da
sind natürlich noch die beiden blasierten eitlen Damen im Hotel, die sich durch den äusseren
Schein trügen lassen und sich forsch und ohne Rücksicht auf Verluste an den vermeintlichen
Millionär heranmachen. Toblers junge Tochter darf die Liebe auf den ersten Blick erfahren.
Erst nach viel Turbulenz finden die Ereignisse wieder zurück auf geordnetere Bahnen und die
Beteiligten zurück zu ihrer eigenen Identität. Sie haben allen Grund Verschiedenes zu feiern;
zwei Individuen, allerdings, müssen eine bitterböse Erfahrung machen: der arrogante und blasierte
Hoteldirektor Kühne und seine intrigante Rezeptionistin Poltera.
Nicht nur für Auge und Sinn ist die Gossauer Bühne besorgt, denn auch der Gaumen des Publikums
soll entsprechend verwöhnt werden. Die speziell für Sie vorbereiteten Gerichte sind den im
Schauspiel agierenden Charakteren angepasst. Versprochen wird ein Abend zum schmunzeln und
entspannen, während dem Ihre Gedanken für ein paar Stunden dem Alltag entfliehen...