Januar 06, Zürcher Oberländer

Kniffliges und Makabres auf der Altrüti

Mit einer langen Liste von Morden wird das Publikum zu Beginn konfrontiert. Es geht um einen Mann, der nacheinander sechs Gattinen umgebracht hat, im zweiten Fall um eine sechsfache Gattenmörderin. Inspektor Campbell, der kurz vor seiner Pensionierung steht, möchte die beiden Verbrecher zur Strecke bringen - doch fehlen ihm die Beweise.

Englischer Krimi
Die amüsante, verzwickte Geschichte hat ein überraschendes Ende, doch das soll hier nicht verraten werden. Von den rund 30 aktiven Mitgliedern, die das Theaterensemble derzeit hat, stehen acht auf der Bühne. Für das 25-Jahr-Jubiläum wollte der Verein etwas Spezielles spielen und hat sich desshalb auch sorgfältig mit der Stücke Auswahl beschäftigt. Schliesslich wolle man an die Erfolge vergangener Jahre anknüpfen, wie Claudia Götz, die Präsidentin sagte. Dass auch die Theatersaison von Erfolg gekrönt sein wird, hat wohl mehrere Gründe. Es ist ein unterhaltsames Stück, es wurde liebevoll inszeniert, es wird ein total passendes Bühnenbild präsentiert, aber vora llem sind die Rollen treffend besetzt. Bereits bei Vorspiel treffen die beiden Gründungsmitglieder Gody Wyss und Alfred E. Muggli aufeinander. Wyss spielt den Inspektor Campell findig wie Sherlock Holmes und Muggli den "Frauenversteher" Oberst Brocklesby. Klar, dass sich die alten Hasen in die Herzen der Zuschauer spielen. Das sind aber noch die anderen, zum Beispiel Butler Perkins (Christoph Muggli), der in den absurdesten Situationen für Lacheffekte sorgt. Oder die beiden schwer erziehbaren Gören Poll (Romana Hellrigl) und Jennifer (Patrizia Pinggera) mit herrlichenm "urchigem" Dialekt und frechen Sprüchen.

Es geht um Mord
Das Publikum wird ständig in Atem gehalten, wenn Oberst Bocklesby und seine Angetraute Lydia Barbent(Eva Weber) sich dezent um die Ecke zu bringen versuchen: ein hinunterfallender Kronleuchter, vergiftete Pilzsuppe oder eine angesägte Leiter verfehlen die Absicht. Dasenglische Detektivstück stammt aus der Feder von Saul O'Hara. Aus dem Englischen übersetzte es Hans-Joachim Pauli und die Dialekt-Fassung hat Fredi Muggli geschrieben, der übrigens auch noch die Regie führt. Seine Figuren zeichnete der Autor liebenswürdig überspitzt.
Genau so spielen Claudia Götz die etwas schrullige, laute, jungfräuliche Erzieherin Honoria Dodd oder Hanspeter Messmer den einfühlsamen Pädagogen Lanzelot Fletcher.

von Irene Egloff