Januar 07, Zürcher Oberländer

"Verschwiegen wie ein Priester"

Zum ersten Mal wird das Bühnenstück "Birds on the wing" in Mundart aufgeführt. In "Uf und devo" fesselt die Gossauer Bühne das Publikum mit immer neuen Verwirrungen.

"Ich bin mindestens so nervös, wie wenn ich selber auf der Bühne stehen würde", gesteht Claudia Götz. Die Präsidentin der Gossauer Bühne spielte schon zwölfmal mit, dieses Jahr führt sie Regie. Die Nachfolge von Frdi Muggli anzutreten, sei eine Herausforderung - er habe jahrelang ausgezeichnete Regiearbeit geleistet. Weil er damit nun pausieren wolle, erfüllte sich Claudia Götz ihren Traum.
Mit Kindertheater hatte sie schon Regieerfahrung gesammelt, zudem besuchte sie nun nochmals einen speziellen Kurs. Anschliessend bearbeitete sie das Stück aus dem Hochdeutschen und übertrug es in Mundart. Zusammen mit Uschi Reale brachte sie es zur Bühnenreife. "Wir liessen die Schauspielerinnen und Schauspieler vieles selber gestalten - ich machte dann noch die Feinarbeit", stellt sie klar.

Weiterbildung mit Profis
Seit den sommerferien wurde zweimal pro Woche geprobt. Auch die Kulissen wurden von der Truppe entworfen und gestaltet. Hier engagierten sich Mitglieder, die lieber im Hintergrund arbeiten, wie in der Technik, bei der Beleuchtung oder später im Theaterbeizli. "Alle helfen mit, und wir sind auf jede Person angewiesen", betont die Regisseurin. "Das gibt einen tollen Zusammenhalt." Viele seien schon seit Jahren dabei. Um ihre Professionalität noch zu steigern, wird jedes Jahr ein Wochenende zur Weiterbildung mit Profis eingesetzt. Aber nicht nur die Spielenden, auch die technische Crew kann sich auf Vereinskosten weiterbilden.
Die Qualität der Vorführung ist daher beachtlich, und die Gäste lassen sich immer wieder gerne von der Gossauer Bühne einen Abend lang unterhalten. Zusammenarbeit wird in allen Bereichen praktiziert. So stellt eine Kommission den Spielfreudigen bereits im Frühling einige passende Stücke vor. Gesmeinsam erwägt man Vor- und Nachteile, der Stichentscheid liegt bei der Regisseurin. Jetzt allerdings erwartet diese gespannt, dass sich der Vorhang öffnet für die Hauptprobe von "Uf und devo".

Ein Hotelzimmer für viele Zwecke
Kellner und Zimmermädchen (Hanspeter Messmer und Patrizia Pinggera) können gerade noch die Spuren ihres eher privaten Treffens im Hotelzimmer vertuschen, als zwei junge Frauen eintreten und das Zimmer für ihre Pläne umfunktionieren. Je nach Land geben sie sich als comtesse de Courville, Principessa di Grimaldi oder trauernde Wittwe eines spanischen Edelmannes aus.
Romana Hellrigl als Elizabeth und Aurelia Graf als Josephine spielen abwechselnd die verführerische Schönheit, die reichen Männern das Geld aus der Tasche zieht und sich danach aus dem Staub macht. Eines ihrer Ofper, den smarten Charlie Jackson (Dominic Witschi), werden sie allerdings nicht so schnell wieder los, obwohl sich Elizabeth sehr stilvoll gegen seine Avancen gewehrt hatte. Er ist jedoch flexibel - genau wie die zwei vornehemen Damen, die in ständig anderen Kostümen erscheinen und mit naiven Senioren (Gody Wyss) genauso hingebungsvoll flirten - "Du bisch so süess, Henri!" -, wie sie italienische Polizisten um den Finger zu wickeln versuchen.

Sir George und die Banker
Der malzlockige Guiseppe Flores wird von Gaudenz Freuler gespielt, welcher auch den trinkfreudigen englischen Politiker gibt, der diskret sein Schwarzgeld auf ein Schweizer Nummernkonto transferiert haben möchte. Quittungen verlangt er keine, und sein Handelspartner versteht das: "Schweizer Banker sind verschwiegen wie Priester, und Sie sitzen gerade auf dem Beichtstuhl", beruhigt er Sir George, das doch reichlich nervöse Mitglied des englischen Parlaments.

Der Schluss ist einmal mehr eine Überraschung - der Vorhang fällt, der verdiente Applaus ertönt. Claudia Götz ist sehr zufrieden. "Jetzt mues i mine Lüüt go d Chappe wäsche", lacht sie und verschwindet mit ihrem Notizblock hinter die Bühne.

von Mirjam Fisch-Köhler