Januar 08, Zürcher Oberländer
"Pro Spielminute eine Stunde Probe"
Die Amateur-Theatergruppe Gossauer Bühne führt dieses Jahr an elf Abenden das Theaterstück "De grüeni Duume" auf.
Heute ist Premiere.
Die sieben Schauspieler schmunzeln, als sie am Mittwochabend nach der Generalprobe aus der Garderobe kommen. Nicht alles sei planmässig verlaufen, aber bekanntlich wäre das ja ein gutes Zeichen. Denn unter Theaterleuten
gilt die Meinung: "Generalprobe schlecht - Premiere hervorragend". Das Publikum aber hatte nichts bemerkt und freute sich am frischen, vergnüglichen Spiel. Das Stück, eine englische Komödie von Peder Yeldham und Donald Churchill, handelt von Steuerhinterziehung
und Unwahrheiten. Die Charaktere verstricken sich im Laufe des Stücks immer mehr in Lügen, trotzdem bleiben sie sympathisch, ja wachsen einem mit ihrer Ungeschicklichkeit und Nervosität sogar ans Herz. Thomy Lambert, ein etwas fahriger Biologe, Autor und
Fernsehmoderator, hat seit fünf Jahren seine Exfrau Sarah Müller als Treuhänderin eingestellt. Dabei kam Müller, um Steuern zu sparen, vor Jahren auf die clevere Idee, die imaginäre Yolanda Spirig in die Welt zu setzen. Jährlich hat sie dieser Person, die es ja gar nicht gibt,
beachtliche Summen auf ein Bankkonto überwiesen. Als ihr nun der Steuerkommissär auf die Schliche kommt, muss sie sich schnellstens etwas einfallen lassen. Und, wie es sich für eine anständige Komödie gehört, ist nach etlichen Irrungen und Wirrungen am Schluss "Ende gut - alles gut".
Die Vorbereitungen für das Bühnenstück liefen bereits das ganze Jahr über. Im letzten März wurde die Präsidentin des Theatervereins, Claudia Götz, zur Regisseurin bestimmt, danach folgten Leseproben mit anschliessender Rollenverteilung.
Dazu Götz: "Wir fragen im Vorfeld jeweils, wie viele Personen auf der Bühne stehen wollen, und suchen erst danach nach einem geeigneten Theaterstück." Weil das Stück im letzten Jahr so gut ankam, führen sie nun zum zweiten Mal ein ursprünglich englisches Stück des gleichen Autors auf.
Zwar gab es eine schweizerdeutsche Fassung davon, Regisseurin Götz musste aber einiges abändern. "Manchmal war der Humor etwas gar grob, ich habe dann versucht, mehr sprachliche Feinheiten hineinzubringen." Und genau dies sei bei diesem Stück sehr wichtig. Laut Götz
handelt es sich nämlich dieses Jahr um ein Theater ohne grosse Höhen und Tiefen. Es plätschere vielmehr so dahin, die grossen Lacher oder auch Auseinandersetzungen fehlen. Ganz wichtig sei deshalb bei den Proben auch gewesen, dass die Dialoge schnell ablaufen.
Keine Laien, sondern Amateure
Der Theaterverein Gossauer Bühne wurde 1981 von einer Gruppe von Amateuren gegründet. Seither steht jedes Jahr ein Bühnenstück auf dem Programm. Die Vorstellungen finden immer in den Monaten Januar und Februar statt, geübt wird das ganze Jahr über zweimal wöchentlich.
Laut Präsidentin Götz rechne man pro Spielminute mit einer Stunde Probe. Das ganze werde minutiös durchorganisiert, deshalb hört Götz die Bezeichnung "Laientheater" ungern. Jedes Jahr würden sie auch Theaterkurse bei den Profis besuchen. Heute besteht das Ensemble aus rund 30
Aktivmitgliedern, neue Leute wären aber herzlich willkommen. Laut Gaudenz Freuler alias Steuerkommissär Nobs handelt es sich dabei um eine sehr "unhomogene" Gruppe. Er selbst ist Kunstprofessor, daneben sind auch kaufmännische Berufe sowie eine Hortleiterin oder auch eine Lehrerin
vertreten. Genau das mache das Theater so lebendig, findet Freuler.
von Tanja Schwarz