Januar 08, Tages Anzeiger
"Grüner Daumen für stachlige Pflanzen"
Ein Kaktus wird zum Blühen gebracht - eine verzwickte Situation wird enträtselt: Das ist die neuste Produktion der Gossauer Bühne. Noch neunmal ist die Komödie zu sehen.
Thomy Lambert, ein erfolgreicher Biologe, hätschlet seine Pflänzchen. Völlig weltfremd vertieft sich der Gärtner in seine blühwillige Welt im immergrünen Gewächshaus. Da wird er tüchtig von seiner ehemaligen
Gattin übers Ohr gehauen. Sie hat einen Weg gefunden, seine Einnahmen unlegitim abzuzocken. Steuerkommissär Gilbert Nobs kommt der Machschaft auf die Schliche. Doch was sich hier im ersten Teil des Mundartstücks
anbahnt, nimmt schliesslich einen ganz anderen Verlauf.
Zuschauer fiebern mit
In der Komödie "De grüeni Duume" entrollt sich sachte, aber bestimmt ein Verwirrspiel: "Das Stück ist lustig, hat Action - ein Tumult. Man muss sich auf die Handlung konzentrieren", sagt auch Zuschauerin Beatrice
Winkler am Samstag Abend im Saal der Altrüti. Und ihr Mann Erich pflichtet ihr bei. Nach dem ersten Teil warten sie gespannt auf die Pointe, auf eine gute Lösung. Erstaunt, wie sich die Situation gewandelt hat, atmen
die Zuschauer am Schluss auf. "Alles ist ganz anders, als wir das erwartet haben", geben sie schmunzelnd preis.
Schmunzelgeschichten bevorzugt
Weit über 20 Produktionen hat die Gossauer Bühne seit ihrer Gründung im Jahr 1981 schon gezeigt. Zum zweiten Mal führt heuer Claudia Götz Regie, die schon viel mitgespielt und manche Rolle übernommen hatte.
Bald 20 Jahre ist die 50-Jährige bereits dabei, und ihre Vorliebe zur englischen Komödie begründet sie damit, dass sie eine Schmunzelgeschichte der feinen Andeutungen bevorzuge.
Die "Schenkelklopfer" lägen ihr nicht so sehr, gibt sie unumwunden zu. Als Schauspielerin sei sie recht wandelbar. Als Regisseurin würde sie am liebsten mal ein Agatha-Christie-Stück oder einen Western auf die Bühne
bringen, sofern ihr die Spieler zur Verfügung ständen. Junge Nachwuchstalente seien bei der Bühne herzlich willkommen.
Sensibel bearbeitet
Das Stück "De grüeni Duume", eine Komödie von Peter Yeldham und Donald Churchill, wurde von Claudia Götz bearbeitet, indem sie die schweizerdeutsche Fassung mit der englischen verarbeitete
und allzu derbe Situationen in weniger anzügliche Momente umwandelte. Zweimal die Woche sei geprobt und die Schauspieler auf die Entwicklung der Geschichte eingestimmt worden, erklärt die Regisseurin.
Sie ist bei allen Aufführungen dabei - mit ganzem Herzblut, wie sie betont.
Mit lebhafter Mimik
Dominic Witschi als Pflanzenliebhaber Thomy Lambert ist über alle vier Akte aktiv, setzt sich mit lebhafter Gestik und Mimik voll in Szene. Er, von bösen Machenschaften umgeben, ist in seiner berndeutsch gefärbten
Mundart der behäbige Bär, der sich wehren muss. Marianne Brunner, neu im Team, ist als seine Treuhänderin eine betriebsame und bewusst undurchsichte Partnerin. Patrizia Pinggera bringt als lebenslustige Verführerin verwegenen jungen
Pfiff in die Aufführung. Der bühnenerfahrene Hanspeter Messmer nimmt in der Pflicht als Hauspfleger seine Aufgaben wörtlich und spielt die Rolle gewohnt locker.
Da gibt es noch den scheinbar verknöcherten Steuerberater und seine "Gegenspielerin" (Gaudenz Freuler und Eva Weber) wie auch einen unbeholfenen Kaktuszüchter (Christof Hugentobler),
welche die Situation anheizen oder wieder beschwichtigen.
Fäden entwirrt
In einem sorgfältig aufgebauten Bühnenbild (Jürg Nyffenegger, Claudia Götz) spielt sich eine Episode ab, die mit Sprachwitz und Situationskomik die Zuschauer laufend zum Schmunzeln bringt.
Gewisse Momente erinnern an die Realität, bekennen die Zuschauer. Als eigentliche Pointe entpuppen sich schliesslich die entwirrten Fäden im Labyrinth des menschlichen Pflanzengartens.
Wer möchte nicht jenen grünen Daumen, der eine kahle Pflanze zum Blühen bringt oder eine Dummheit in die richtige Bahn leitet?
von Susi Hofmann