Januar 96, Zürcher Oberländer
Ein Überfall mit sehr weiblichen Waffen
Das Ensemble der Gossauer Bühne hat auch dieses Jahr ein Stück einstudiert: "Millionen mit Charme und Pistolen" kommt heute zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung der Truppe vors Publikum.
Die Frauenkomödie in Mundart von Arthur Wüthrich wird unter der Regie von Dagmar Loubier zehnmal im Festsaal Altrüti in Gossau aufgeführt.
Der Titel verrät es schon: Pistolen kommen ebenso zum Einsatz wie der weibliche Charme. Erobern möchte man in dieser modernen Boulevardkomödie für einmal nicht ausschliesslich männliche Zuneigung, sondern im Visier hat man härtere Währung, millionenfach.
Riech zu sein, davon träumt ein Frauenquartett, das in einer Wohngemeinschaft Zeit zum Pläneschmieden hat. Handgreiflich Träume wahr machen heisst hier faustrechtlich eingreifen, männlich stark in die Hosen stehen - und schon ist die Frau ganz nah an ihrem erträumten Glück.
Glück für sie, dass es nur beinahe gelingt?
Überfall mit Frauenlist
In der Mundartkomödie von Arthur Wüthrich ist der Beginn ungewöhnlich: Schnäuze und Bart kommen an den Frauengesichtern zum Vorschein. Sie steigen in die Overalls, und ebenso schnell flitzen sie wieder hinaus. Sie möchten ja so gern, aber getrauen sich einfach nicht recht.
Eine Bank überfallen soll zu viert jedoch trotzdem gewagt werden.
Moni, die Intelektuelle, forciert den Beutezug, Flo, die Fröhliche, ist zu allen Schandtaten bereit, und Melanie, die Melancholische, trinkt sich Mut an. Gaby, die Häusliche, jedoch versucht nach missglückter Tat einen Überfall weiblicher Art.
Dass dies trotz aller Tricks nicht immer ganz einfach ist, zeigt der Verlauf des Stücks.
Gefühle als Falle
In der mit Witz und Ironie gezeichneten Komödie lebt das Geschehen vom Einfallsreichtum des Verfassers. Die Situation, in der sich die vier Frauen befinden, ist für die Bühne real gewordenes Traumdenken von irdischem Reichtum, das - so sieht es die Frau -
aus männlicher Feder stammen muss. Die Frauen werden in überzeichneten Typen, jede in ihrer WEise auf gewisse Art auch liebenswert eingestuft und kommen - wie könnte es anders sein - zum gefühlvollen Ende mit einiger Turbulenz ins Schleudern.
Männliche Überlegenheit - doch auch das ist wiederum sympathisch - endet im nicht ganz ernst zu nehmenden Fiasko. Die Situationskomik ist einerseits oft reichlich realistisch inszeniert, lebt von spontan gesprochenen und gespielten Einsätzen der "Typinnen" und entwickelt sich dann recht
charmant zum Höhenflug, der einmal mehr von fraulicher gefühlvoller Gutmütigkeit "überschattet" wird.
Gute Teamarbeit des Ensembles
Einstudiert wure das komödiantische Wetteifern mit Regisseurin Dagmar Loubier, welche die Verantwortung für das gut aufeinander eingespielte Team übernimmt. Gaby (Regula Egli), Moni (Helga Lütschg), Melanie (Claudia Götz) und Flo (Franziska Bachmann) heissen die unterschiedlichen
Frauen, die im gemeinsamen Eroberungskampf viel Freude und Einsatz im Theaterspielen zeigen. Tomi, der unter Beschuss geratene Bankprokurist, wird von Hanspeter Messmer gemimt. Noch mehr unter den Hammer gerät Bankdirketor Viktor Knecht, der von Gotthard Wyss gespielt wird.
Fahnder Holzinger (Michael Hutter) kommt ganz am Schluss in der Gerechtigkeitsfeier zu seinem Einsatz. Die Regieassistenz wurde von Jack Lütschg übernommen. Das Bühnenbild gestaltet von Erika Rota.
Der Eigenbau der Bühne wurde von Rene Stalder und seinem Team ausgeführt, und die Kostüme suchte Esther Huss aus. Viele helfende Hände hinter der Bühne zeigen auch dieses Jahr grossen Einsatz, damit sich die Zuschauer über das Geschehen in vier Akten so richtig unbekümmert und ohne
kugelsichere Weste amüsieren können.