Januar 97, Zürcher Oberländer
Lustvolles Spiel mit Pannen
Im Theatersaal ist es noch hell, das Publikum plaudert entspannt, und der Vorhang ist offen. Auf der Bühne räumen zwei Männer Bücher in einen Bücherschrank, hängen die Bilder an der frischtapezierten Wand
ein letztes Mal gerade, rücken vier Klappstühle zurecht und stellen einen Harass als Tischchen dazu. Die Theaterprobe des Dramtischen Vereins und zugleich die Aufführung der Gossauer Bühne auf der Altrüti können
in wenigen Minuten beginnen.
Zwei Stücke, zwei Rollen
Das Programmheft verschafft Klarheit: Sein vorderer Deckel kündigt das Lustspiel in drei Akten "Spilet wiiter" von Rick Abbot an, das die Gossauer Bühne heute abend ersmals aufführen wird; Regie führt wie auch schon in anderen Jahren Fredi Muggli aus Bertschikon.
Auf dem hinteren Deckel wird angekündigt, was das Lustspiel darstellt, nämlich die Uraufführung des Stücks "Ein höchst abscheulicher Mord" von Regina von Köhncke. Einige Schauspielerinnen und Schauspieler haben somit gleichzeitig zwei Rollen zu spielen, nämlich diejenige der Darsteller
des Dramatischen Vereins und gleichzeitig diejenigen, die diese spielen sollten. Sollten, denn im dritten Akt, der noch nie im Durchlauf geprobt wurde, gibt es noch etliche Unsicherheiten. Nicht zuletzt erleichtert die Zusammensetzung der Truppe der resolut auftretenden Regisseurin
Ursula Meier-Zingg (Frnaziska Bachmann) ihre Aufgabe nicht gerade: Da ist Paul Müller (Jürg Grag), wegen dessen anzüglicher Bemerkungen die rundliche Liselotte Berger (Claudia Götz) ihre Rolle drei Tage vor der Premiere beinahe hingeschmissen hätte, Liselottes behäbiger Gatte Heinz Berger (Gody Wyss)
- er gibt den Lord - oder Maja Schmid (Simone Glauser), die als Dienstmädchen Doris beim Stichwort "in der Nacht bei Frost" herbeieilt und begfliessen ihren Knicks macht, bis sich herausstellt, dass sie doch erst bei "nackter Frosch" aus der Kulisse kommen müsste...
Was Esther Bieri (Regula Egli) und Bruno Huber (Hugo Ziegler) füreinander empfinden, merken sie erst, als sie die Liebesszene zwischen der blaublütigen Kiana Lassiter und dem Millionär Steven Sellers proben - und sich dabei unversehens mit "Esther" und "Bruno" anreden.
Änderungen in der letzten Minute
Die schrille Stimme der überdrehten Krimiautorin Regina von Köhncken (Helga Lütschg), die den Probenden unerwartet einen Besuch abstattet, um letzte Änderungen am Text anzumelden, nervt mit der Zeit nicht nur die Schauspielertruppe. Immer wieder bringt sie Änderungen: Von einem Mörder will sie plötzlich
niemals etwas gewusst haben, und dafür soll das Mordopfer anstelle von Steven Sellers in der Liebesszene mit Diana erscheinen. Fast wäre es zum Krach gekommen, und das drei Tage vor der Premiere! An der Generalprobe schliesslich kriegt Techniker Andreas Hänni (Jack Lütschg) Schwierigkeiten mit den Geräuschen
- wobei auch Regina von Köhncken unfreiwillig mithilft -, und Inspizient Daniel Sommer (Ruedi Suter) halst sich kurz vor der Aufführung etwas zuviel aufs Mal auf...
Wer an der Generalprobe eine dreiaktige Anhäufung von mehr oder weniger gelungenen Gags erwartet hatte, sah sich gründlich getäuscht. Das Stück im Stück erlaubt eine unfreiwillige Pointe nach der anderen, und zum Erfolg tragen die Schauspielerinnen und Schaupieler bei, indem sie sich von Szene zu Szene noch steigern und ihre - zum Teil -
doppelten Rollen mit dem spielerischen Welchsel von Mundart und Schriftsprache hervorragen spielen.
Mitspielende willkommen
Wegen der sechs Doppelrollen sei das neue Stück der Gossauer Bühne "reizvoll, aber schwierig aufzuführen", meinte Präsidentin Helga Lütschg. Weil die sehr kleine Gruppe personell rasch an ihre Grenzen stosse, seien neue Mitglieder willkommen. Nebst den zehn Personen, die in "Spilet wiiter" auf der Bühne stehen,
seien eben auch Helferinnen und Helfer im Hintergrund nötig, so Lütschg.